Was haben Star Trek, Micky Maus und Big Brother gemeinsam? Ihre Produzenten teilen eine Allergie: Sie reagieren auf die unautorisierte Verwendung von Bildmaterial auf Fanseiten mit heftigen Abmahnungserscheinungen. Die ersten Big-Brother-Fanseiten sind bereits offline; erwischte Fans müssen mit "Rechnungen" von rund 10.000 Mark rechnen.
Die Firma Endemol, Produzent der Container-Soap "Big Brother", geht gegen Homepages von Big-Brother-Fans im Internet vor. Wer eine inoffizielle Fanseite betreibt, muss damit rechnen, von Endemol abgemahnt zu werden. Diverse Betreiber der gut hundert Fanseiten haben schon Post von einem Anwaltsbüro bekommen.
Endemol verlangt ultimativ, dass Logos und Fotos, an denen Endemol die Rechte hält, von den Seiten entfernt werden. Wie viele Seiten betroffen sind, vermochte Endemol nicht zu sagen, die Äußerungen von Betroffenen legen aber nahe, dass systematisch im Netz nach Copyrightverletzern gesucht wird.
Den Streitwert setzt Endemol so hoch an, das allein die Anwaltsgebühren leicht 10.000 Mark erreichen können. Diese Gebühren muss der Fan auf jeden Fall bezahlen, selbst wenn er die beanstandete Seite sofort vom Netz nimmt. Rainer Laux, der Produzent der Sendung: "Es ist nun mal so, dass Endemol alle Rechte hat." Selbst Screenshots und Tonmitschnitte aus der TV-Sendung und den Internetkameras seien geschützt.
Die Einschüchterung hat bereits Wirkung gezeigt: Mehrere Seiten sind schon offline. Damit dürfte der lustigste Teil an Big Brother verschwunden sein. Viele Seiten verwenden zur Illustration Endemol-Material und zeigen die Kandidaten der Sendung - entweder besonders hübsch oder mit ausgesprochen dämlichem Gesichtsausdruck.
Andere Seiten verballhornen die Sendung, bieten Diskussionsforen an oder bieten Links auf den Live-Stream aus dem Container. Darüber hinaus kursieren Songs im MP3-Format, die aus gesampleten Gesprächsfetzen bestehen. Selbst einzelne Zitate der Bewohner, wie Zlatkos legendäres Rätselraten um Shakespeare oder Manuelas "Wieso soll Deutschland mich nicht kotzen sehen?" sind als Sounddatei erhältlich - von diversen Duschszenen gar nicht erst zu reden.
Produzent Laux weiß, dass Endemol mit seinen Abmahnungen etliche treue Fans verärgert. Für brave Anhänger gibt es jedoch einen Ausweg: "Wer lieb bei uns fragt, ob er Bilder verwenden darf, kann eine Erlaubnis bekommen", sagt er.
Im Falle von Big Uncle argumentierten die Endemol-Anwälte nicht allein mit den Rechten an Big Brother: Die Betreiber des TV-Knastes - wegen der Show selber in der Kritik - beriefen sich in ihrem Schreiben auf einmal auf die Menschenwürde.
Ansbert Kneip
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