medienrauschen, das Medienweblog

Embedded Schüler-Reporter

Moderne Kommunikation und Sensationsgier machen es möglich, dass man derzeit live bei einem Polizei-Großeinsatz in Bern dabei sein.
Dort gab es offenbar eine Amoklauf-Drohung gegen die Berufsschule Bern, denn seit ca. 11 Uhr dürfen die Schüler das Gebäude nicht mehr verlassen, welches derzeit von “bis an die Zähne bewaffnete“(n) Polizisten umstellt ist.
Ebenfalls mit dabei: Ein “Grossaufgebot an Ambulanzen“; von “mindestens drei Ambulanzen†(Zitat aus zwei hintereinander stehenden Sätzen).

Live dabei sein darf man bei 20 Minuten Online, die ihre Berichterstattung mit ausgiebigen Aussagen und Bildern von mind. einem “Mobile-Reporter†- einem Schüler, der derzeit noch im abgeriegelten Gebäude sein soll - schmücken. Seien Sie live dabei, wenn die ersten Schüsse fallen.

Die Kategorie: “Geschmacklosigkeiten des Journalismus†haben wir leider nicht. Scheint aber so, als sollten wir die bald einmal einrichten.

Independent-Titel verbünden sich

Im Winter rückt man enger zusammen, um kuschelnd Nestwärme zu nutzen. Das Prinzip wenden nun auch die Independent-Titel “sleek magazine“, “Qvest†und “Luna†an. Unter dem Dach der neu gegründeten Firma B20 Publishing will man den gemeinsam die Vermarktung, den Vertrieb, Druck und Papiereinkauf koordinieren und günstiger machen. Die Redaktionen sollen von der neuen Einigkeit unberührt bleiben und weiterhin eigenständig arbeiten.

Kahlschlag bei G+J Wirtschaftspresse

Zitat von BooCompany:

Schockstarre bei “Capitalâ€, “impulse†und “Börse Onlineâ€: Gruner und Jahr kündigt ALLEN Mitarbeitern! Nur einigen wenigen sollen neue Verträge angeboten werden - für den Standort Hamburg. Dort sollen sie gemeinsam mit der “Financial Times Deutschland†alle Titel der Wirtschaftspresse bedienen. Die Standorte München und Köln werden aufgelöst.

Damit bekommt die Redaktion der deutschen Financial Times ein paar mehr Redaktionsmitglieder, die künftig alle Titel der G+J-Wirtschaftstitel belieferen.
Die Finanzkrise kommt in den Redaktionen an, nicht nur bei der Süddeutschen Zeitung. Oder aber bei G+J nutzt man die Gunst der Stunde …

Werben & Verkaufen spricht von 250 betroffenen Angestellten an den Standorten München und Köln, von reinen Stellen würden 60 gekürzt. Tatsächlich, und vor diesem Umstand steht aktuell ja auch Sat.1 mit seinem Umzug von Berlin nach München, dürften aber wohl weitaus mehr Angestellte den Umzug nach Hamburg nicht mit machen.

Update, 16:45 Uhr: Mittlerweile gibt es auch eine Pressemitteilung von G+J, welche die Angaben oben bestätigt. Meedia spricht derweil von 121 direkten Entlassungen.

Update, 19:40 Uhr: Noch mehr Abbau bei G+J - heute Abend teilte der Verlag mit, man werde das schwächelnde Premium-Magzin “Park Avenue†einstellen.

LIFE-Archiv googleisiert

mpyoutube.pngFor 3 years you YouTubers have been ripping us off, taking tens of thousands of our videos and putting them on YouTube. Doch jetzt wird zurück geschlagen: Monty Python startet einen eigenen YouTube-Channel mit allen Videos in hoher Qualität. (via)


Journalisten, bloggt!

Mit einem Anreizprogramm für im Zuge der US-Zeitungskrise gebeutelte Zeitungsschreiber will SixApart Journalisten vom Bloggen als Alternative überzeugen. Dazu startet die Firma hinter dem Blog-Hoster TypePad und dem Programm MovableType ein “TypePad Journalist Bailout Programme“.

Deal: Journalisten bekommen einen kostenlosen TypePad Pro-Account, kommen ins Advertising-Programm von SixApart um das Blog mittels Werbeeinnahmen zu finanzieren und werden auf der Plattform Blogs.com gefeatured.
Neben der Promotion denkt SixApart - als eigenes Stück am Kuchen - sicherlich vorrangig an sein Vermarktungsnetzwerk, das von qualitativen Weblogs mehr profitieren kann als von privaten Tagebüchern.

Erleichterung (Uri Geller & die Suche nach außerirdischen Einschaltquoten)

Doch, es gibt noch etwas wie Qualitätsdenken beim deutschen Fernsehgucker.
Zumindest scheint es so, wenn man sich die Quoten der Uri Geller’schen Suche nach extraterrestrischem Leben gestern Abend ansieht. Die nämlich sind desaströs für einen Samstag-Abend: 1,4 Millionen Zuschauer und 4,8 Prozent (Gesamt-)Marktanteil. Das führt dazu, dass wir wohl für eine Weile verschont bleiben von Uri, selbst wenn er morgen Antwort bekommen sollte. Der Hälfte des Publikum gestehe ich ja sowieso einen gewissen “Schaulustigeâ€-Rabatt zu, die dem frontal gegen einen Kristallschädel rasenten Geller nur beim Pfuschen zuschauen wollten. Und die andere Hälfte der Show-Zuschauer? Die schieben wir auf das nicht funktionierende Messverfahren deutscher Einschaltquoten … Glück gehabt!

Wer die Sendung (zum Glück) nicht gesehen hat, sich aber dennoch einmal durchlesen will, wie es ein Fernsehsender innerhalb von drei Stunden schafft sämtliche Rest-Glaubwürdigkeit zu verspielen, die er eventuell noch hat, der lese zwei unterhaltende Rückblicke: Bei SPIEGEL Online und DWDL.
Wir hoffen, sowas nicht wieder im deutschen Fernsehen sehen zu müssen.

Wie SPIEGEL Online einmal eine Supermarktkette erfand

Ach, es ist schon schwer, das Nachrichtengeschäft.
In Deutschland reichen die Nachrichten schon nicht mehr, weshalb sich Michail Hengstenberg, früher einmal GEE-Chefredakteur, den Nachrichten des US-Sender ABC News* annimmt und für SPIEGEL Online ins Deutsche überträgt. Allerdings hat Hengstenberg entweder noch einen Schluck Kaffee zu wenig im Blut oder mangelnde Englisch-Kentnisse. Denn aus einem kleinen inhabergeführten Supermarkt im US-Örtchen Chevy Chase macht er einen “Supermarkt-Gigant†mit mindestens 20 Filialen in verschiedenen US-Bundesstaaten.
Dort habe man eine neue Einkaufswagen-Waschanlage aufgebaut.

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Nun, das Problem: Chevy Chase ist keine Supermarkt-Kette. Chevy Chase ist nicht einmal ein Supermarkt, sondern ein Ort im US-Bundestaat Maryland. Und dort gibt es einen Supermarkt, der als einer von insgesamt 21 Supermärkten in den ganzen USA die Einkaufswagen-Waschanlagen nutzt.
Das man daraus schnell eine ganze Kette von Supermärkten im Reinigungswahn macht ist ungefähr so weit entfernt von journalistischer Qualität, wie der Pluto von der Sonne.

Den Ursprung scheint die Geschichte beim Wallstreet Journal zu haben, dort steht auch, dass es die Wagen-Waschanlage bereits seit zwei Jahren vom Anbieter PureCart gibt. Aufhänger der Geschicht, die mit Studien von 2006 und 2007 unterlegt ist, ist offenbar Pressearbeit von Pure Cart anläßlich des 21sten Kunden - eben jenem Supermarkt in Chevy Chase.

Story bei ABC News
Story bei SPIEGEL Online (hier als Screenshot)

spiegel-3us.pngUpdate, 20 Uhr SPIEGEL Online hat den Bericht rund zwei Stunden nach Veröffentlichung dieses Artikels geändert, inkl. dem Hinweis auf die Änderung und einer Entschuldigung an die Leser.
Nur in der Bild-Unterschrift hat Chevy Chase noch eine Wagen-Waschanlage. (via)

Der Supermarkt in Chevy Chase hat die Einkaufswagen-Waschanlage übrigens bereits seit dem 22. Juli, von diesem Tag stammt auch das Bild, welches SPIEGEL Online nutzt.

Großputz bei ProSiebenSat.1

Bei ProSiebenSat.1 ächzt es seit einigen Tagen im Gebälk. Und heute kracht es: Mit einem Schlag verkündet die Sender-Holding heute, dass Sat.1 und kabel eins neue Geschäftsführer bekommen, Sat.1 bis auf die Zentralredaktion nach Unterföhringen zu ProSieben zieht, 225 Stellen gestrichen werden und einige Konzernbereiche wie SevenOne Intermedia ebenfalls nach Bayern geholt oder direkt zusammengefasst werden.

Seit einigen Tagen hatte die Belegschaft von Sat.1 gegen das Vorhaben der Holding-Spitze demonstriert, selbst der Senat von Berlin hatte sich gegen einen Umzug des Senders ausgesprochen. Die ProSiebenSat.1 Holding allerdings ist auf das Gesamtziel “Sparen†fixiert und ordnet dem Alles unter.
Insgesamt hatte sich die Mehrheit der Berliner Sat.1-Mitarbeiter in einem offenen Brief gegen den Umzug ausgesprochen. Nun bleiben nur die Redaktionen des Frühstückfernsehens und des Sat.1 Magazin in Berlin.
Auch die Redaktion von N24 darf (noch?) in Berlin bleiben. Dort hatte man erst Ende Oktober den Sendebetrieb am neuen Standort Potsdamer Platz aufgenommen.

So ein Mist, Uri!

Rechnungshof rügt sächsische Medienwächter

Einem Bericht der Sächsischen Zeitung nach hat der sächsische Landesrechnungshof der eigenen Landesmedienanstalt (SLM) zum wiederholten Mal Verschwendung von zugeteilten Geldern vorgeworfen.
So mache die SLM allein für den fünfköpfige Medienrat Aufwandspauschalen von insgesamt 150.000 Euro im Jahr geltend. Die darüber hinaus 23 Planstellen in Leipzig verbrauchten 1,2 Millionen Euro. Bei weitem zu viel, finden die Kassenprüfer in ihrem aktuellen Bericht.

Die SLM in Leipzig bekam zuletzt rund 6 Millionen aus dem GEZ-Topf und fällt dem Landesrechnungshof nicht nur wegen zu hoher Personalkosten auf. Auch wurde der Kauf von Gemälden (!), technisch aufwendig ausgestatteten Dienstwagen und die neu Ausstattung mit Computertechnik in der Leipziger Dienstvilla bemängelt.
Die Vorwürfe der Misswirtschaft sind nicht neu. In Sachsen gibt es immer wieder Kritik an der Wirtschaftlichkeit und Arbeitsweise der landeseigenen Medienwächter. Die verteidigen sich indes mit dem Hinweis auf andere Landesmedienanstalten: So erklärte SLM-Präsident Kurt-