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Zensur ist ein lohnendes Geschäft

Ernst Corinth 20.11.2001

Saudi-Arabien sucht nach einer perfekteren Filter-Software-Lösung

Beim Geld gehört die Moral bekanntlich auf. Und so stehen nach einem Bericht der [extern] New York Times gerade gut ein Dutzend Firmen Schlange, um der Regierung Saudi-Arabiens eine neue und noch perfektere Filter-Software fürs Internet zu verkaufen. Ein Geschäft, das dem Gewinner-Unternehmen dann nicht nur mehrere Millionen Dollar einbringen, sondern das vor allem die Verhandlungen mit anderen interessierten Diktaturen erleichtern wird.

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Zensur ist also ein durchaus lohnendes Geschäft - und dass bei einem solchen Deal demokratische Rechte keine Rolle spielen, versteht sich eigentlich schon von selbst. Es sei denn der Staat, der seine Bürger gängeln möchte, steht auf der "Schurken-Liste" oder heißt China. Im chinesischen Fall soll nämlich, so die New York Times, die US-Regierung Pläne zum Aufbau eines Netzwerks unterstützen, mit dem die vom Staat eingerichtete Zensur-Firewall umgangen werden könnte.

Aber im Unterschied zu China ist Saudi-Arabien ja nun einmal ein wichtiger Verbündeter der USA. Derzeit hat das arabische Land rund 500.000 Internet-Nutzer, denen bisher schon der freie Zugriff aufs Netz unter anderem durch die SmartFilter-Software verwehrt wird. Der komplette Internet-Verkehr läuft zudem über ein Kontrollzentrum und wird überwacht vom "Information Security Center at King Abdulaziz City for Science and Technology". Nach Aussagen des Leiters, Eyas S. al-Hajery, erhalten seine Mitarbeiter täglich von Usern 500 Hinweise auf zu sperrende Netzangebote, gleichzeitig treffen aber auch 100 Bitten ein, irrtümlich blockierte Seiten wieder freizugeben.

Gesperrt werden in Saudi-Arabien nicht nur pornographische Seiten, sondern auch Netzangebote, die sich kritisch mit dem König, der Regierung und dem Islam beschäftigen. Darunter beispielsweise die Websites des [extern] Committee for the Defense of Human Rights in Arabian Peninsula, das 1992 gegründet wurde und seitdem gegen Menschenrechtsverletzungen durch das Saudi-Regie kämpft.

Dass man die staatliche Zensur umgehen kann - beispielsweise durch die Einwahl über ausländische Provider oder über Seiten, die ein anonyme Netz-Surfen ermöglichen - weiß natürlich auch Eyas S. al-Hajery, der aus diesem Grund auf eine perfektere Software-Lösung hofft: "It's not that we are unhappy with the product, we're just looking for a better solution." Und genau die wollen nun die Filter-Spezialisten aus den USA, Großbritannien, Holland und Deutschland liefern, die derzeit mit ihren Produkten bei den saudi-arabischen Zensoren Schlange stehen.

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