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Deep Linking

Florian Rötzer 19.10.1999

Sind Links auf eine bestimmte Webpage unfair?

Vermutlich werden wir noch öfter davon hören. "Deep Linking" war bereits einige Male schon Streitpunkt zwischen Websites, noch aber gibt es nirgendwo eine eindeutige prinzipielle Regelung. "Deep Linking" meint die durchaus für den Benutzer sinnvolle und zeitersparende Praxis, von einer Website einen Link auf eine bestimmte Seite in einem Online-Angebot zu legen, die, sofern man sich dort nicht registrieren oder gar bezahlen muss, direkt aufrufbar ist. Aus dieser Möglichkeit der Vernetzung durch Hyperlinks lebt das Web und erhält es seine einzigartige Kapazität als Informationsmedium, und ohne diese Möglichkeit würden die Suchmaschinen auch weitgehend ihre Bedeutung verlieren. Doch mit der zunehmenden Kommerzialisierung des Web, also gewissermaßen durch das Diktat von werbefinanzierten und derartiges zumindest anstrebenden Online-Angeboten, beginnt diese Eigenschaft der Vernetzung manche zu stören, was letztlich auf die Zerstörung des Web hinauslaufen könnte, wenn durch ein Verbot des "Deep Linking" das Web in Inseln oder ummauerte Städte auseinander fallen würde, die nur noch über einen "Hafen" oder ein einziges "Tor" zu betreten wären.

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Ein aktueller Fall, in dem das Recht auf Verlinkung zur Diskussion gestellt wurde, betrifft [extern] Ticketmaster und [extern] Tickets. Schon im August hat Ticketmaster gegen den Konkurrenten eine Klage eingereicht, weil dieser unautorisierte Links auf bestimmte Seiten gelegt und auf illegale Weise Inhalte auf der eigenen Website veröffentlicht habe. Der Vorwurf geht letztlich darauf hinaus, dass "Deep Linking" von Konkurrenten, die dieselben Angebote machen, eine Art des Schmarotzertums sind, das geschäftsschädigend ist. Tickets.com entgegnet, dass Ticketmaster durch die Verlinkung keine Verluste entstünden. Ticketmaster jedoch führt an, dass dadurch der Markenname an Wert verliere und Besucher weniger Seitenaufrufe machen würden, weil sie die Eingangsseiten überspringen könnten. Wie in der wirklichen Welt ist das Tor oder das Portal, durch das man eine Website betritt, normalerweise der am meisten frequentierte Ort, während die Besucherströme sich dann auf die einzelnen Straßen/Seiten verteilen. Für die Werbung, im Web eine andere Art der genehmigten, weil bezahlten "Entführung" durch einen Link, sind natürlich die Orte am attraktivsten, an denen am meisten Besucher verkehren, weil sie dort möglicherweise die größte, allerdings auch ungerichtete Aufmerksamkeit erhalten können.

Anfang Oktober kam es schließlich zu einem weiteren Konflikt zwischen [extern] Ebay und [extern] AuctionWatch. Auch hier forderte Ebay den Konkurrenten auf, nicht mehr durch "Deep Linking" Inhalte zu entwenden, die geistiges Eigentum von Ebay seien. AuctionWatch entgegnete, dass Links auf bestimmte Seiten auch von Suchmaschinen angeboten werden und ganz einfach Interessierte auf Informationen verweisen, die woanders liegen. Beide Firmen konnten sich nicht einigen, was wiederum Charles Conn, CEO von CitySearch bei Ticketmaster, dazu provoziert hat, eine Art [extern] Manifest zu schreiben, weil bislang keine rationale Diskussion über das Recht auf Verlinkung geführt werde.

Conn betont in seinem "Statement", dass die wesentliche Eigenschaft des Web seine Offenheit ist, wozu auch die Möglichkeit des Verlinkens gehört. Erst dadurch sei es zu einem "mächtigen Medium für die Kommunikation, die Wirtschaft und die Entdeckung" geworden. Doch wenn das Setzen von Links "extensiv und über die Navigationsseiten" hinaus gehe, dann wäre es am besten, wenn dies in Absprache geschehe und vertragliche Bedingungen gewahrt würden: "Wir glauben, dass die glaubwürdigsten Websites dieser Praxis aus Höflichkeit und gutem Geschäftsverhalten heraus folgen." Das Problem sei die systematische Verlinkung durch direkte Konkurrenten aus kommerziellen Interessen. Firmen hätten "viel Geld und Zeit in den Aufbau des Inhalts auf Websites investiert, mit Zulieferern und Partner Beziehungen geknüpft, Kunden und Werbung angezogen, Waren ausgewählt etc., um in eine Beziehung mit den Benutzer zu treten." Wenn man die Inhalte eines anderen Anbieters mitbenutzt, den Inhalt mit Suchrobotern auflistet und dann Deep Links setzt, dann sei dies "ganz einfach" unfair, weil man sein Geschäft auf dem Rücken eines anderen aufbaue.

Unlauter ist selbstverständlich, Links so zu setzen, dass die Inhalte der anderen Website innerhalb des eigenen Frame erscheinen, weil so unmittelbar der Eindruck erweckt wird, dass es sich um eigene Angebote handelt. Deep Links jedoch gehen direkt auf eine andere Website, die aufgerufen wird. Der Grad der Verlinkung einer Website mit anderen ergibt auch eine Art Maß der Prominenz in der Aufmerksamkeitsökonomie. Je mehr eine Website verlinkt ist, desto mehr Besucher werden auch dorthin gelockt. Links sind so auch immer bislang kostenlose Werbung. Gleichwohl fürchten die Gegner der Deep Links, dass Besucher damit nur auf eine Seite kommen und nicht gewissermaßen den ganzen "Laden" vom Eingang bis zur Kasse durchlaufen müssen, also auch nicht die weiteren Angebote wahrnehmen.

Conn fordert eine Diskussion über die Menge der Links, das geschäftliche Interesse und die Position der Website, die verlinkt, als Konkurrent oder Partner: "Sich hinter der 'Unantastbarkeit des offenen Web' zu verstecken, um kommerzielle Praktiken zu schützen, die niemand in einem anderen Medium vertritt, ist scheinheilig." Solche Praktiken würden vielmehr erst das Web zerstören, weil es Misstrauen wecken und die Möglichkeiten des Benutzers beeinträchtigen würde. Das Web freilich ist für Conn lediglich eine Plattform für den Ecommerce, also für Firmen und Kunden, wobei die Interessen der Firmen obenan stehen. Von einer Einschränkung bei der Setzung von Links jedenfalls hat der Benutzer nichts - und es würde auch im Web die räumlich abgetrennten, nur durch zentrale Türen zu betretenden Gebäude wieder einführen, deren Öffnung durch Hyperlinks, wie "tief" sie auch immer gehen mögen, die Attraktivität und Schnelligkeit des Web wesentlich mit ausmachen. Schließlich sind Links auch nicht für den Ecommerce erfunden worden, sondern um wissenschaftliche Arbeiten mit Querverweisen versehen zu können.

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