Der US-amerikanische Ökonom Paul Krugman erhält den diesjährigen Preis der Schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel. Der Preis der Schwedischen Reichsbank wird seit 1969 verliehen. Er wurde nicht von Alfred Nobel gestiftet, sondern wird nur in seinem Andenken verliehen. Da er jedes Jahr in einer Reihe mit den Nobelpreisen bekannt gegeben wird, wird er landläufig auch als Wirtschaftsnobelpreis bezeichnet.
Der 1953 in New York geborene Krugman beschäftigt sich mit den Mustern des weltweiten Handels, mit den Auswirkungen des Freihandels und der Globalisierung sowie mit den Ursachen und Folgen der Urbanisierung. Seine Verdienste liegen darin, für seine Theorie unterschiedliche Forschungsbereiche zum internationalen Handel und der Wirtschaftsgeografie in der Neuen Ökonomischen Geografie zusammengeführt zu haben, heißt es in einer Mitteilung aus Stockholm.
Nach herkömmlichen Theorien beispielsweise von David Ricardo, die später ergänzt wurden durch Eli Heckscher und Bertil Ohlin, erkläre die Unterschiedlichkeit der Länder, warum einige eher landwirtschaftliche Produkte exportieren, während andere Industriegüter ausführen. Die neue Theorie erklärt, warum der weltweite Handel von Ländern dominiert wird, die nicht nur ähnliche Bedingungen vorweisen, sondern auch mit ähnlichen Produkten untereinander handeln, wie zum Beispiel Schweden, das Autos ein- und ausführt. Diese Form des Handels ermögliche Spezialisierung und Produktion in großem Maßstab, die wiederum niedrigere Preise und eine Angebotsvielfalt ermögliche.
Krugman hatte sich vor einigen Tagen zur derzeitigen Finanzkrise geäußert und laut US-Medienberichten gesagt, in das Finanzsystem müsse mehr Geld gesteckt werden. Das führe – wie sonst auch in Zeiten finanzieller Krisen – zu einer partiellen und vorübergehenden Nationalisierung des Finanzsystems. Bereits Mitte September hatte Krugman in diesem Zusammenhang die US-Regierung kritisiert, die sich geweigert hatte, der Investmentbank Lehman Brothers aus der Krise zu helfen. Regierung und Märkte seien auch ein halbes Jahr nach dem Debakel um Bear Stearns unvorbereitet. Die US-Regierung spiele Russisches Roulette.
In seiner Theorie setzt Krugman voraus, dass viele Waren und Dienstleistungen in großen Mengen kostengünstiger hergestellt werden können, in der Ökonomie bekannt als Skaleneffekt. Die Menschen fragen aber viele unterschiedliche Waren und Dienstleistungen nach. Im Ergebnis wird regionale Produktion in kleinem Maßstab ersetzt durch Produktion für den Weltmarkt, in der Unternehmen mit ähnlichen Produkten miteinander konkurrieren.
Der Skaleneffekt, kombiniert mit niedrigeren Transportkosten, helfe zu erklären, warum ein immer größerer Anteil der Weltbevölkerung in Städten lebe und warum sich ähnliche wirtschaftliche Aktivitäten am gleichen Ort ansammeln, heißt es weiter in der Mitteilung aus Stockholm. Die Tendenz zu niedrigeren Transportkosten kann einen Zuzug in die Städte verursachen. Die wachsende Bevölkerung in den Städten verursache wiederum eine Produktion in größerem Maßstab, höhere Reallöhne und eine größere Warenauswahl. Diese Faktoren wiederum locken weitere Menschen in die Städte. Krugmans Theorien lieferten eine Erklärung dafür, wie sich Regionen in einen hochtechnologisch-städtischen Kern und weniger entwickelte Randgebiete aufteilen können.
Zu den Nobelpreisen 2008 siehe:
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