"Bundesbehörde weiß, dass auch Gorleben untauglich ist"
Bürgerinitiative Umweltschutz veröffentlicht Brief an das Bundesamt für Strahlenschutz
Geologische Parallelen zwischen dem havarierten Atommüllendlager Asse II und dem Endlagerbau im Salzstock Gorleben gehen über die Tatsache hinaus, dass in beiden Fällen Salz als Lagergestein gewählt wurde - "eine an sich fragwürdige Angelegenheit", meint die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.
Die Gorleben-Gegner sehen sich angesichts des Gipfeltreffens zwischen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, Forschungsministerin Schavan und den niedersächsischen Behördenspitzen zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlasst: "Wir veröffentlichen jetzt den in der Sache unbeantworteten Brief an das Bundesamt für Strahlenschutz vom Sommer diesen Jahres, in dem auf brisante behördeninterne Einschätzungen Mitte der 80er Jahre hingewiesen wurde. Diese lassen klar darauf schließen, dass massive Zweifel an der Eignung Gorlebens als nukleares Endlager durch eine Bundesweisung vom Tisch gewischt wurden." Rückfragen
Offener Brief
Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg e.V.
Geschäftsstelle:
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29439 LÜCHOW
Tel. (05841) 46 84
Fax (05841) 31 97
Bundesamt für Strahlenschutz
Wolfram König
Postfach 100149
D 38201 Salzgitter
die Debatte um Laufzeitverlängerungen und um die Fortsetzung der Bauarbeiten im "Erkundungsbergwerk Gorleben" ist voll entbrannt. In Interviews haben Sie dazu Stellung genommen und sich bemüht, die Debatte zu versachlichen. Sie warnen alle Seiten davor, die Eignung oder Nicht-Eignung des Salzstocks Gorleben-Rambow als Atommüllendlager zu behaupten. Sie verweisen darauf, dass ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren noch Jahre in Anspruch nehmen wird und dass es ein hohes Risiko gebe, dass am Ende Gorleben als Endlager nicht genehmigungsfähig sein wird, weil wissenschaftlich anerkannte Grundsätze wie eine alternative Standortsuche und eine Bürgerbeteiligung an diesem Standort nicht gegeben waren. Sie wissen, dass die Bürgerinitiative Umweltschutz "Gorleben" nicht nur aus diesen Gründen für "verbrannt" hält.
Das Gorleben- Moratorium des Jahres 2000 war Ergebnis eines politischen Kompromisses, zustande gekommen ist das Moratorium aber nur, weil Geologen an der Eignung Gorlebens zweifeln. Ihrem Haus liegt das 300 Seiten umfassende Gutachten von Prof. Dr. Klaus Duphorn aus dem Jahr 1982 vor, im dem fundiert und akribisch dargelegt wird, welche Risiken der Salzstock Gorleben als Folge der komplizierten geologischen Struktur und der Wasserkontakte für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle birgt. Auftraggeber war die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), also Ihre Vorgängerbehörde. Im Mai 1983 hatte der Amtsleiter Professor Helmut Röthemeyer in Hannover gegenüber Journalisten eine Zusammenfassung der bis dahin vorliegenden Untersuchungsergebnisse mit einer "internen Gesamtbewertung" verbunden, die zu der Empfehlung gelangte, "das Erkundungsrisiko breiter zu streuen." Ziel der PTB war es, auch andere Salzstöcke zu erkunden. Für eine Behörde war das ein unerhört mutiger Schritt, konsequenter wäre gewesen, ganz auf die Einbahnstraße Gorleben zu verzichten. Erst zwei Jahre später erfuhr die Presse, dass die Bundesregierung der PTB per Weisung untersagt hatte, derartige Überlegungen anzustellen (FR 25.7.85 "Maulkorb für kritische Äußerung über Gorleben"). Wir halten es für dringend geboten, dass dieser Vorgang jetzt angesichts der anhaltenden Debatte um die Fortsetzung der Arbeiten unter Tage seitens des BfS öffentlich gemacht wird, um deutlich zu machen, dass die Zweifel an Gorleben begründet sind, politisch aber vom Tisch gewischt wurden.
Prof. Klaus Duphorn war Fachwissenschaftler, kein Politiker. Als Fachmann agierte er äußerst umsichtig und forderte zunächst weitere Erkundungen in Gorleben. Später revidierte er seine Auffassungen und warnte eindringlich vor der Fortsetzung der Bauarbeiten in Gorleben. Unter Erkundung verstand er ausschließlich weitere Tiefbohrungen, u.a. an den Flanken des Salzstocks, nicht den Ausbau des Bergwerks. Sie in Ihrer Eigenschaft als Präsident des BfS sprechen in den jüngsten Stellungnahmen auch davon, dass Gorleben nicht zu Ende erkundet wurde. Wir möchten Sie bitten, klar zu stellen, was Sie unter Erkundung verstehen. Wir können uns nicht vorstellen, dass Sie den Ausbau des Endlagerbergwerks mit einer Erkundung gleichsetzen.