geb. 1930

Helmut Kohl

Photo: Helmut Kohl, um 1983

Politiker


1930
3. April: Helmut Josef Michael Kohl wird als jüngstes von drei Kindern des Finanzbeamten Hans Kohl und seiner Frau Cäcilie (Geburtsname: Schnur) in Ludwigshafen am Rhein geboren.


1946
Eintritt in die Christlich Demokratische Union (CDU).


1947
Mitbegründer der Jungen Union in Ludwigshafen.


1950
Abitur an der Oberrealschule in Ludwigshafen.


1950-1956
Studium der Rechts-, Sozial- und Staatswissenschaften sowie der Geschichte an den Universitäten Frankfurt/Main und Heidelberg.


1953
Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der CDU Rheinland-Pfalz.


1954-1961
Stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union Rheinland-Pfalz.


1955-1966
Mitglied des Landesvorstandes der CDU Rheinland-Pfalz.


1956-1958
Wissenschaftlicher Mitarbeiter des politischen Seminars im Alfred-Weber-Institut der Universität Heidelberg.


1958
Promotion zum Dr. phil. mit einer Arbeit über "Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945".


1958/59
Direktionsassistent bei einer Ludwigshafener Eisengießerei.


1959-1962
Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Ludwigshafen.


1959-1969
Referent des "Industrieverbandes Chemie" in Ludwigshafen.


1959-1976
Mitglied des Landtages von Rheinland-Pfalz, wo er ab 1961 stellvertretender Vorsitzender und ab 1963 Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion ist.


1960
Heirat mit der Diplomdolmetscherin Hannelore Renner. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor.


1960
Kohl wird Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion in Ludwigshafen.


1966-1973
Landesvorsitzender der CDU Rheinland-Pfalz.


1966-2000
Mitglied des Bundesvorstandes der CDU.


1969-1973
Stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU.


1969-1976
Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Von 1969 bis 1971 regiert Kohl mit einer christlich-liberalen Koalition. Nach den Landtagswahlen im Mai 1971, bei denen die CDU die absolute Mehrheit erreicht, kann Kohl eine CDU-Alleinregierung bilden. In dieser Zeit initiiert er vor allem eine umfangreiche Gebiets- und Verwaltungsreform in Rheinland-Pfalz und reformiert zusammen mit Heiner Geißler (geb. 1930) das Sozial- und Gesundheitswesen des Landes.


1971
Kohl meldet seine Kandidatur für den Parteivorsitz an, unterliegt aber bei der Wahl gegen Rainer Barzel.


1973-1998
Parteivorsitzender der CDU.


1975
Die Präsidien von CDU und Christlich Sozialer Union (CSU) tragen Kohl die Kanzlerkandidatur an.
Veröffentlichung der Schrift "Die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland".


1976-2002
Mitglied des Bundestages.


1976-1982
Kohl gibt das Amt des Ministerpräsidenten in Rheinland-Pfalz ab und wird in Bonn als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Oppositionsführer.
Nach den Bundestagswahlen 1976, die nicht zu einem Regierungswechsel geführt haben, beschließt die CSU die Trennung von der CDU. Kohl besteht aber auf der gemeinsamen Fraktion unter seiner Führung und setzt sich damit gegen Franz Josef Strauß und die CSU durch. Dafür wird der Schwesterpartei ein größeres Gewicht in den Fraktionsgremien zugesprochen.


1980
Kohls Favorit, der niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (geb. 1930), unterliegt in der Fraktionsdiskussion um die Kanzlerkandidatur gegen Franz Josef Strauß. Bei den Bundestagswahlen muss die CDU/CSU hohe Verluste hinnehmen. Kohl bleibt danach Oppositionsführer in Bonn, pflegt seine persönlichen Kontakte zum Vorsitzenden der Freien Demokratischen Partei (F.D.P.), Hans-Dietrich Genscher und kritisiert weiterhin die Politik der Regierung Schmidt.


1981
Veröffentlichung der Schrift "Die CDU - Portrait einer Volkspartei".


1982
20. September: Die CDU/CSU und die F.D.P. nehmen Koalitionsgespräche auf und einigen sich darauf, Bundeskanzler Helmut Schmidt am 1. Oktober 1982 durch ein konstruktives Misstrauensvotum zu stürzen. Als Kanzlerkandidat der Union wird Helmut Kohl nominiert.
1. Oktober: Der Bundestag wählt durch ein konstruktives Misstrauensvotum Helmut Kohl zum 6. Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland.
13. Oktober: Kohl gibt seine Regierungserklärung ab. Darin bekennt er sich zum NATO-Nachrüstungsbeschluss und zur Fortführung guter Beziehungen zur DDR bei entsprechenden Gegenleistungen.
17. Dezember: In einer verfassungsrechtlich fragwürdigen Abstimmung über die von Kohl gestellte Vertrauensfrage im Bundestag erreicht Kohl, gemäß vorheriger Absprache, keine Mehrheit. Damit wird der Weg zu Neuwahlen am 6. März 1983 geebnet.


1983
20./21. Januar: Im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich des 20jährigen Bestehens des Freundschaftsvertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich nimmt Kohl an einer Feierstunde im Pariser Elysée-Palast teil.
6. März: Bei den vorgezogenen Neuwahlen kann die CDU/CSU einen klaren Sieg verzeichnen. Am 29. März wird Kohl vom Bundestag als Bundeskanzler bestätigt.
4. Mai: Bundeskanzler Kohl bezeichnet in seiner Regierungserklärung den Abbau der Arbeitslosigkeit, die Wiedergewinnung wirtschaftlichen Wachstums und die Sanierung der Bundesfinanzen als Schwerpunkte der Regierungstätigkeit.
4.-7. Juli: Bundeskanzler Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher statten der Sowjetunion einen offiziellen Besuch ab, der eine neue und bessere Qualität der gegenseitigen Beziehungen begründen soll.
Veröffentlichung der Schrift "Der Weg zur Wende. Von der Wohlfahrtsgesellschaft zur Leistungsgemeinschaft".


1984
24. Januar: Kohl trifft zu einem fünftägigen Besuch in Israel ein. In den Gesprächen mit der israelischen Regierung kommt es zu ernsten Auseinandersetzungen über die Nahostpolitik der Bundesrepublik. Streitpunkt sind geplante Waffenverkäufe der Bundesrepublik an Saudi-Arabien.
13. Februar: Am Vorabend der Trauerfeierlichkeiten für den verstorbenen sowjetischen Staats- und Parteichef Jurij Andropow (1914-1984) treffen Kohl und der Staats- und Parteichef der DDR, Erich Honecker, in Moskau erstmals persönlich zusammen.
22. September: Kohl und der französische Staatspräsident François Mitterrand gedenken in Verdun gemeinsam der Toten beider Weltkriege. Dabei kommt es zu einer international viel beachteten Szene: Während die Nationalhymnen erklingen, stehen beide Politiker minutenlang Hand in Hand nebeneinander und demonstrieren so die Verbundenheit beider Völker.
7. Oktober: In Begleitung zahlreicher Vertreter der deutschen Wirtschaft trifft Kohl zu einem sechstägigen Besuch der Volksrepublik China in Peking ein. Im Verlauf der Visite werden eine Reihe von Vereinbarungen über eine intensivere Zusammenarbeit auf ökonomischem Gebiet getroffen.


1985
18. April: In seiner Regierungserklärung unterstützt Kohl das amerikanische Forschungsprojekt für ein Weltraumraketenabwehrsystem (SDI), lässt aber die Beteiligung der Bundesrepublik offen.
5. Mai: Kohl legt gemeinsam mit US-Präsident Ronald Reagan Kränze an der Gedenkstätte Bergen-Belsen und auf dem Soldatenfriedhof Bitburg nieder. Dies stößt in der Öffentlichkeit auf Kritik, weil in Bitburg auch Angehörige der Waffen-SS beerdigt sind.
16. Juni: Kohl nimmt am Deutschlandtreffen der Schlesier teil, obwohl Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Verbandsorgan "Der Schlesier" wegen seiner Rede am 8. Mai massiv angegriffen worden war. Kohl bekräftigt auf dem Schlesiertreffen in Hannover die Unverletzlichkeit der Grenzen.


1986
3. Februar: Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, dass der Bundestagsabgeordnete Otto Schily (Die Grünen) gegen Kohl Strafanzeige wegen des Verdachts der Falschaussage vor den Untersuchungsausschüssen im Bundestag und im Mainzer Landtag in der Parteispenden-Affäre erstattet hat. Am 20. Februar nimmt die Koblenzer Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Kohl auf, das am 20. Mai aus Mangel an Beweisen wieder eingestellt wird.
15. Oktober: In einem Interview mit dem US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" stellt Kohl den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow in einen engen Zusammenhang mit NS-Propagandaminister Joseph Goebbels: "Er ist ein moderner kommunistischer Führer, der sich auf Public Relations versteht. Goebbels, einer von jenen, die für die Verbrechen der Hitler-Ära verantwortlich waren, war auch ein Experte für Public Relations".
6. November: Kohl distanziert sich von seinen Aussagen, ist jedoch nicht zu einer offiziellen Entschuldigung bereit. Das Interview belastet die deutsch-sowjetischen Beziehungen erheblich.
26. November: Gegen die Howaldtwerke-Deutsche Werft (HDW) in Kiel wird ermittelt, weil sie Konstruktionspläne für U-Boote illegal an Südafrika verkauft haben soll. Zwei Tage später wird in Bonn bestätigt, dass Kohl informelle Gespräche über den Verkauf von U-Booten an Südafrika geführt hat.
18. Dezember: Der Bundestag setzt einen Untersuchungsausschuss ein, der sich mit den Vorgängen befassen soll.


1987
4. Januar: Auf dem Deutschlandtreffen der CDU in Dortmund bezeichnet Helmut Kohl die DDR als Regime, das "politische Gefangene in Gefängnissen und Konzentrationslagern hält". Wegen des Begriffs Konzentrationslager legt der Ständige Vertreter der DDR in Bonn zwei Tage später offiziellen Protest ein.
11. März: Nach den Bundestagswahlen vom 25. Januar, bei denen sich die christlich-liberale Koalition mit einer klaren Mehrheit behaupten konnte, wählt der Bundestag Kohl erneut zum Bundeskanzler.
4. Juni: In einer Regierungserklärung plädiert Kohl für die sogenannte doppelte Null-Lösung zum Abbau der Mittelstreckenraketen in Europa.
5. Juli: Bundeskanzler Kohl und der französische Ministerpräsident Jacques Chirac gedenken in Reims und Colombey-les-deux-Eglises gemeinsam der Aussöhnung zwischen Frankreich und der Bundesrepublik vor 25 Jahren durch Charles de Gaulle und Konrad Adenauer.
7.-11. September: Bundeskanzler Kohl trifft mit dem Staats- und Parteichef der DDR Erich Honecker zusammen, der zum ersten Mal in der Geschichte der beiden deutschen Staaten die Bundesrepublik Deutschland besucht. Es werden Abkommen zum Umwelt- und Strahlenschutz sowie über die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik vereinbart.


1988
1. November: Bundeskanzler Kohl und der französische Staatspräsident François Mitterrand werden für ihre Verdienste um die europäische Einigung mit dem Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen ausgezeichnet.


1989
10. November: Aufgrund der Öffnung der innerdeutschen Grenzen bricht Kohl seinen Polen-Besuch ab, um am Abend vor dem Schöneberger Rathaus in West-Berlin auf einer Kundgebung zu sprechen.
11. November: Kohl und SED-Generalsekretär Egon Krenz sprechen in einem Telefongespräch über eine Intensivierung der Zusammenarbeit und einigen sich auf eine baldige persönliche Begegnung.
16. November: Kohl sichert der DDR wirtschaftliche Hilfe zu, sobald ein grundlegender Wandel des politischen und wirtschaftlichen Systems in der DDR vollzogen wird.
28. November: Kohl legt ein "Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas", das letztendlich zur Wiedervereinigung Deutschlands führen soll, vor.
19./20. Dezember: Kohl trifft zu Gesprächen mit DDR-Ministerpräsident Hans Modrow in Dresden zusammen. Beide Regierungschefs vereinbaren Verhandlungen über eine deutsch-deutsche Vertragsgemeinschaft. Kohl wird bei seiner Ansprache vor der Ruine der Frauenkirche von der Bevölkerung umjubelt.


1990-1998
Kohl wird unter anderem die Ehrendoktorwürde der Universitäten Tel Aviv, Maryland, Lublin, Harvard/USA (1990), Salamanca (1991), der philippinischen Anteno-Universität (1996) und der jüdisch-amerikanischen Brandeis-Universität (1998) verliehen.


1990
5. Februar: In West-Berlin einigen sich die CDU der DDR, die Deutsche Soziale Union (DSU) und der Demokratische Aufbruch (DA) auf das Wahlbündnis "Allianz für Deutschland" für die Volkskammerwahlen am 18. März. Kohl kündigt die