Torsten Kleinz 27.02.2002
Alvar Freude ist Netzaktivist. Und Netzaktivisten haben etwas gegen Zensur im Netz. Freude machte dies schon Anfang Februar deutlich, als er Mitarbeiter von Bezirksregierung und Internetprovidern anzeigte (
Email, Internet und die Justiz). Nun legt er zusammen mit seinen Mitstreitern der Initiative Odem einen nach: Mit einer Unterschriftenliste soll Druck gemacht werden.
Von Aktivisten und Unterschriften
Die
Erklärung gegen die Einschränkung der Informationsfreiheit beginnt mit einer Zusammenfassung der Lage:
Auch der Blick in die Zukunft beunruhigt die Initiatoren. Sie erwarten nicht, dass es bei der Sperrung von zwei Webseiten bleibt (
Dammbruch öffnet Weg ins Zensurnetz). Das Ganze sei ein Versuchsballon für weitergehende Maßnahmen.
Webwasher.com,
IntraNet sowie das Bonner Gemeinschaftsunternehmen
Bocatel basteln bereits zusammen mit der Uni Dortmund an einem System, dass die Filterung des kompletten Internetverkehrs
ermöglichen soll.
Ausbruch aus der Netzöffentlichkeit
Die Verfasser der Petition fassen ihre Standpunkte in drei Punkten zusammen.
Mit diesen Kernforderungen hoffen sie auf breite Zustimmung. So reicht die Bandbreite der Erstunterzeichner von der PDS-Bundestagsabgeordneten Angela Marquardt bis zum Freenet-Gründer Ian Clarke. Die
Reporter Ohne Grenzen haben sich dem Aufruf ebenso angeschlossen wie der
Chaos Computer Club. Bis Dienstag sind schon über tausend Unterschriften zusammengekommen.
Noch ist nicht ganz klar, wie lange die Aktion dauern wird. Spätestens im Sommer sollen die Unterschriften an Vertreter der Bezirksregierung, des Landtags und der Landesregierung sowie des Bundestags und der Bundesregierung überreicht werden. Die digitalen Unterschriften werden verifiziert. Jeder Unterzeichnende bekommt eine Bestätigungsmail mit einem Link. Erst wenn dieser aufgerufen wird, wird die Unterschrift gezählt.
Erklärtes Ziel der Aktion ist es auch, Menschen zu erreichen, die nicht zur "Netzöffentlichkeit" gehören. "Die Argumente sind gut - jetzt muss man die Leute darauf aufmerksam machen", sagt Freude. Denn innerhalb der Netzgemeinde sei die Meinung zur Sperrungsverfügung ziemlich klar, wie Freude erklärt. Ob eine reine Internetpetition das richtige Mittel ist, um neue Kreise zu erschließen, muss sich noch erweisen. Auf alle Fälle planen die Mitglieder der Initiative Odem noch weitere Aktionen, um auf den Kampf gegen Internetzensur aufmerksam zu machen. Noch im März wollen sich verschiedene Gruppierungen treffen, um ihr gemeinsames Vorgehen bezüglich der Internetsperrungen zu beraten.
Kompetenzen und Regierungspräsidenten
Regierungspräsident Jürgen Büssow, der sich im vergangenen Jahr erfolglos um den Intendantenposten der Deutschen Welle bewarb und jetzt für den Bundestag kandidieren will, stellt in einer neuen
Pressemitteilung seine Kompetenz in Sachen Online wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis (
Die Frohe Botschaft des Herrn Büssow).
"Die Sperrung der unzulässigen Intranetinhalte ist keine Lokalangelegenheit", lässt er verkünden. Doch leider beschränkt sich der Regierungspräsident nicht auf das Intranet seines Hauses, sondern experimentiert mit dem Internet herum. Die übliche Rechtsbelehrung über den Medienstaatsvertrag, wird ergänzt durch einige Schmankerl besonderer Güte. Die Bezeichnung "Wacht am Rhein", mit der ihn die taz belegt hatte, will die Bezirksregierung nicht gelten lassen. Stattdessen gibt sie eine Lehrstunde in freiheitlich-demokratischer Grundordnung:
China und Saudi-Arabien lassen grüßen.