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Man muss nur klicken können Von Dragan Espenschied, 10.01. 2001, 15:02:30AOL als »Was Passiert Dann?«-Maschine |
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Oberflächen sind Oberflächen |
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Tim Berners-Lee: Der Web-Report. Econ, 1999, Seite 194 |
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»Clicken Sie hier!« 1994 |
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Der Unterschied zwischen einem klassischen Online-Dienst und Inhalte-Anbieter wie AOL und einem handelsüblichen Provider, der seinen Kunden über Einwahlpunkte Zugang zum Internet ermöglicht, ist vor allem geschichtlich begründet.
Noch 1995 war es keinesfalls allgemeiner Konsens, dass die Zukunft des e-commerce oder überhaupt von irgend etwas im Internet läge. Stattdessen prophezeite man, dass proprietäre Online-Dienste wie AOL, Datex-J, Compuserve oder MSN die Massen ans Netz bringen würden – aber nicht ans Internet. |
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Michael Kurzidim: Wundertüte, in c't 11/95, Seite 68 |
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Im Gegensatz zu Initiativen wie |
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| Bis heute haben sich viele dieser Rahmenbedingungen in Online-Diensten erhalten. Zwar bieten sie heute ausnahmslos den Zugang zum Internet an, die eigenen Angebote existieren jedoch parallel oder dominant weiter. Der möglichst einfache Zugang zum Internet (so dass es auch Boris Becker hinbekommt) ist jedoch zum hauptsächlich beworbenen Feature geworden. | ||||||||||||||
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Interfaces transportieren geistige Modelle |
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Am Beispiel der AOL 4.0-Software soll gezeigt werden, dass bestimmte Design-Entscheidungen in der Benutzeroberfläche die Vorstellung des Anwenders vom Internet oder »Online-Sein« stark beeinflussen. AOL ist nicht das selbe wie »das Internet«, noch weniger als beispielsweise der Netscape Navigator mit dem Internet gleichzusetzen ist. Durch die Interfaces der Programme entsteht jedoch ein geistiges Modell von der Funktionsweise des benutzen Mediums:
Douglas Rushkoff in Telepolis: |
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| »Empowerment of the Individual« ist eins der wichtigen Schlagworte in der digitalen Revolution. Der Erfolg von Systemen für den Endanwender hängt sehr stark von den verwendeten Interfaces ab, denn diese bestimmen, ob die Anwender sich überfordert, hereingelegt, gestresst, versklavt oder eben empowered fühlen. | ||||||||||||||
| Im Idealfall führt ein schlechtes Interface dazu, dass Anwender vor der Software reißaus nehmen, auf eine alternative Software umsteigen oder eben dankend auf die versprochenen Segen wie Homebanking oder Medienkonvergenz verzichten. Der größte Teil der Anwender ist sich jedoch nicht bewusst, dass Software keinesfalls als gottgegeben hingenommen werden muss. Anstatt bei Fehlern oder unerwünschten Ergebnissen die Programmierer schlechter Software verantwortlich zu machen, halten sie sich selbst für unfähig, eine Aufgabe mit »dem Computer« zu lösen. Sie ordnen sich der Software unter: | ||||||||||||||
Ben Shneiderman: Designing the User Interface; Dritte Auflage von 1998, Addison Wesley Longman Publishing Co, New York; Seite 31 |
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Der AOL-Blindenstock |
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| Eine typische AOL-Sitzung beginnt mit dem Start des AOL-Programms, welches sofort ein Fenster über den gesamten verfügbaren Bildschirm öffnet. Der Zugang zu anderen Programmen, wie beispielsweise einem Web-Browser oder Mail-Client, wird dadurch erschwert, sie sind schlicht verdeckt. | ||||||||||||||
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| Nach dem Anmeldevorgang öffnen sich innerhalb des großen AOL-Fensters wiederum kleine Fenster mit immer den gleichen Ausmaßen, welche die AOL-Inhalte enthalten. Die Ähnlichkeit mit dem klassischen Web ist recht groß, das heißt es gibt Seiten, Texte, Links und vor allem häßliche und Downloadzeit-intensive Grafik. Es existiert jedoch keine Option, um den Inhalt einer angeschauten Seite zu speichern oder zu bearbeiten – beispielsweise zur Erstellung eines Archives interessanter Meldungen oder zur Weitergabe der Daten an Personen, die nicht über einen Netzzugang verfügen. | ||||||||||||||
| Die Auswahl jedes AOL-Links führt zum Öffnen eines weiteren Fensters, das immer in der Mitte des Bildschirms erscheint. Mit der Zeit überlagern sich also eine ganze Menge Fenster, eine Übersicht über geöffnete Fenster gibt es nicht. Ebenso existieren keine durchgehenden Navigationselemente, die es beispielsweise erlauben würden, auf eine vorhergehende Seite (Fenster) zurückzukehren. Die herausstechenden Richtungspfeile in der AOL-Kopfzeile sind nur für die Web-Navigation zu gebrauchen; innerhalb des AOL-Angebots sind sie nutzlos. | ||||||||||||||
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[1] Während ein Button eine Aktion wie zum Beispiel »Fenster schließen« oder »Dokument Drucken« oder »Daten ins Internet übertragen« auslöst, ist ein Link ein Verweis auf verwandte Inhalte. Auch die neuen Versionen des Windows-Explorers und Outlook verwischen dieses klare Konzept [2] CopyPaste beschreibt ein einfaches System, mit dem Inhalte zwischen verschiedenen Programmen oder innerhalb eines Programms dupliziert (copy) und an anderer Stelle wieder eingesetzt (paste) werden können. In Windows funktioniert das üblicherweise über die Tastenkombination Strg+C und Strg+V und wird von kleinen Textschnipseln wie E-Mail-Adressen bishin zu Bildern, Geräuschen, Romanen etc ... verwendet |
Schaltflächen, Werbeanzeigen und Schmuckelemente lassen sich aufgrund des allgemein chaotischen Grafikdesigns nicht unterscheiden. Einige Fenster enthalten im Inhalts-Bereich Buttons zum Schließen des Fensters, andere nicht. Viele der teilweise penetrant animierten Werbeanzeigen sind mit gefälschten Fenster-Elementen ausgestattet, die anstatt die gewünschte Funktion (zum Beispiel Schließen des Fensters) weitere Fenster mit Werbeinhalten öffnen. Zwischen Links und Buttons wird bei AOL nur ungenügend unterschieden, einige Buttons erzeugen neue Fenster und der Mauspfeil verändert sich über einem Button zu einer zeigenden Hand, genau wie bei Links.[1]
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| Inhaltlich gliedert sich das AOL-Angebot in Bereiche wie Nachrichten, Lokales, Computing, Spiele und so weiter. Dabei handelt es sich um AOL-eigene Inhalte. Das auf Web reduzierte »Internet« ist eine Option unter vielen. | ||||||||||||||
| Wer einem Link innerhalb des AOL-Angebotes folgt, kann nie sicher sein, ob der Link nun tatsächlich auf die versprochenen Inhalte führt, zuerst noch eine Zwischenseite mit weiteren Links erscheint oder sich das Ziel des Links gar im Web befindet. Mit einem handelsüblichen Webbrowser läßt sich aufgrund der angezeigten Ziel-Adresse eines Links zumindest grob abschätzen, wohin es geht. | ||||||||||||||
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Inhaltiche Vorselektion selbst bei persönlichen Nachrichten |
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| Der e-Mail-Teil von AOL verhält sich besonders mystisch: Das Hinzufügen eines Links, eines Bildes, einer Tondatei oder eines Hintergrundmusters in eine Nachricht wird über den Menüpunkt »EXtras« geregelt. Zuerst muss ausgewählt werden, welche Kategorie von Dingen an die Nachricht angehängt werden soll. Zur Auswahl stehen Bilder, Links und Töne. Daraufhin öffnet | ||||||||||||||