Zombie-Links
Zombie-Links gehren zu den 7 groen Pestbeulen des Webs. Es handelt sich um Links, die auf exakt die selbe Adresse verweisen, die gerade im Broswer angezeigt wird. Klickt man auf so einen Link landet man genau da, wo man ohnehin schon ist.
Das ist unangenehm, weil beim Verfolgen des Zombie-Links alle Anzeichen fr das Erscheinen einer neuen Seite auftreten: Die aktuell angezeigte Seite verschwindet, der Browser baut die Verbindung zum Server auf, die entsprechenden Animationen laufen, das Browser-Fenster füllt sich mit Inhalt … aber dem selben wie vorher! Erschwerend kommt hinzu, dass viele Websites Elemente enthalten, die sich bei jedem Aufruf ändern, zum Beispiel Werbebanner. Auf den ersten Blick kann es also scheinen als wäre man auf einer anderen Seite angekommen.
Szenarien:
- Die Benutzer haben bereits einen langen Text gelesen, sind am Ende angekommen, und wollen jetzt mehr zu diesem Thema erfahren. Ein Link scheint zu weiterem Material zu führen. Natürlich haben die Benutzer inzwischen den genauen Wortlaut des Anfangs des gerade gelesenen Textes vergessen. Nach dem Klick auf den Zombie-Link gelangen sie zu …
- Die Benutzer landen ber eine Suchmaschine auf einer Unterseite einer greren Website. Exakt dort findet sich aber nicht der gewnschte Inhalt. Im Navigationsbereich steht jedoch ein Link mit einer vielversprechenden berschrift. Hinter diesem Link verbirgt sich …
Zombie-Links werden zum grten Teil von Content Management Systems erzeugt, also Software, die automatisch Inhalte und Navigation auf einer Website strukturiert. Dazu gehren komplexe Dinge wie Joomla oder typo3, aber genau so Blogs (Wordpress, blogger) und Community-Systeme (drupal).
Diese Software hat an vielen Stellen Listen mit Links zu erzeugen, um zum Beispiel alle Artikel einer bestimmten Rubrik anzuzeigen.
In der Logik eines CMS geschieht immer folgendes:
- Aktuellen Kontext feststellen.
Das ist zum Beispiel eine Rubrik, ein Datum oder ein bestimmter Benutzer. In diesen Kontext fllt auch die gerade angezeigte Seite, sie befindet sich selbstverstndlich in ihrem eigenen Kontext. - Passende Artikel/Rubriken/Blog-Posts aus der Datenbank zusammenstellen.
Die aktuell angezeigte Seite ist unter den Ergebnissen dieser Datenbank-Abfrage. - HTML-Code mit Links dorthin erzeugen und ausgeben.
Diese Links werden ins Navigationsmen eingetragen, das natrlich zusammen mit den Inhalten angezeigt wird. Es entsteht somit mindestens ein Link auf die gerade angezeigte Seite.
Luxuriöse Systeme fügen in Zombie-Links zuweilen eine “active” Stylesheet-Klasse ein, zum Beispiel so:
<a href='other.html'>Therea>
<a href='this.html' class='active'>Herea>
Dadurch kann der Zombie-Link zumindest anders aussehen als die normalen Links. Und zwar mglichst so anders, dass niemand auf die Idee kommt, darauf zu klicken. Dabei lie sich eine Fehlbedienung zu 100% ausschlieen, wenn der Link entfernt wrde.
<a href='other.html'>Therea>
Here
Damit wren alle Probleme gelst, der Kontext des aktuellen Inhalts bleibt erhalten, es ist klar, welche Position in der Struktur gerade angezeigt wird, es fhrt kein redundanter Link zur gleichen Stelle.
Warum also den Link stehen lassen? Weil sich diese billige “active”-Klasse extrem einfach automatisch in den HTML-Code einfgen lsst. Hier ein PHP-Beispiel:
if ($linkurl==$currenturl) {$class="active";} else {$class="";}
print "<a href='$linkurl' class='$active'>$linktexta>";
Um wirklich ein nicht-klickbares Element zu erzeugen, mssten die Programmierer viel mehr schreiben, zum Beispiel:
if ($linkurl==$currenturl) {
print "<a href='$linkurl' >$linktexta>";
} else {
print "$linktext";
}
Und man kann doch niemandem zumuten, wegen jedem Link so einen if-Zirkus zu veranstalten!
Leider sind durch diese Sparmanahmen bereits viele Designer zu der berzeugung gelangt, dass Zombie-Links ganz normal und vollkommen in Ordnung wren. Einige schreiben sie sogar in Handarbeit, wenn sie ein Web-Projekt ohne CMS umsetzen. Und finden die merkwrdigsten Begrndungen, warum das logisch genau so sein muss:
- “Ist doch auf allen Websites so!”
Nein, und selbst wenn Amazon, Youtube und Konsorten solchen Unsinn machen bedeutet das nicht, dass man ihnen nacheifern muss.
- “Das ist wegen der Konsistenz, was auf einer Seite ein Link ist, muss auf jeder Seite ein Link sein.”
Falsch, damit werden die Grundaufgaben der Navigation untergraben: den Benutzern zu zeigen wo sie herkommen, wo sie sich befinden, welche Optionen jetzt offen stehen und was sie bereits gesehen haben.
- “Ist doch praktisch, wenn die Überschrift eines Artikel auch gleichzeitig ein Reload-Button ist!”
Falsch, denn dafür gibt’s schon den Reload-Button im Browser. Genau so werden nicht auf jeder Seite “aktuelles Fenster schließen”-, “Fenster minimieren”- oder “diese Seite drucken”-Buttons eingebaut. Die handvoll Funktionen, die ein Browser bietet, sollten dankend angenommen und nicht auf verwirrende Weise dupliziert werden.
- “Ist doch voll egal Mann, chill out!”
Nein, sonst brauchen wir gar nicht weiter ber Webdesign sprechen. Korrekte, sinnvolle Links sind wirklich das mindeste, was ein Webdesigner zu produzieren in der Lage sein sollte.
Mit den Zombie-Links hat sich nur eine faule technische Einschrnkung zum Standard erhoben. Das lsst sich leicht mit ein paar ifs oder selbstgeschriebenem HTML umgehen. Warum noch weiter diese Zombie-Link-Pest verbreiten? Mach’s lieber wie die Profis!
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